Reise – Versicherung muss auch bei Vorerkrankung zahlen

Geschrieben von am 17. März 2010

Welche Rechte haben „reiselustige“ Versicherungsnehmer bei bestehender (Vor-) Erkrankung?

„Vorsicht ist besser als heilen“, lautet eine alte „Binsenweisheit“. Damit war offenbar ein Reiseversicherungsunternehmen nicht ganz einverstanden, denn sie weigerte sich, die Kosten für eine Reiseerkrankung ihres Versicherungsnehmers zu übernehmen. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte.

Nach Ansicht der Richter des Kölner Oberlandesgerichtes ist ein Reisekrankenversicherer sehr wohl zur Schadenshaftung verpflichtet, wenn vor dem Antritt einer Reise bereits eine Grunderkrankung des Versicherungsnehmers vorliegt. Grundlage dieses Sachverhaltes war eine Klage, die ein Versicherungsnehmer angestrebt hatte, weil seine deutsche Versicherung sich weigerte, die Kosten für einen entstandenen Schaden zu übernehmen.

Der Kläger hatte eine spezielle Reisekrankenversicherung abgeschlossen, die unter anderem auch den Schutz ausländischer Gäste beinhaltet. Die Schwiegermutter des Versicherungsnehmers hatte ihren Besuch angekündigt und sollte im Fall einer plötzlichen Erkrankung oder Verletzung entsprechend geschützt sein. Auch der eventuelle Todesfall war diesbezüglich im Versicherungsschutz enthalten.

Kein Auslandskrankenschutz hingegen würde bestehen, sofern der (versicherte) Gast bzw. der Versicherungsnehmer selbst schon im Vorfeld über eine mögliche Krankheit, gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Verletzungen, gleich welcher Art, informiert wären.

Im zugrunde liegenden Fall erlitt die Schwiegermutter bei ihrem Aufenthalt in Deutschland einen Herzinfarkt; und zwar nur wenige Tage nach ihrer Ankunft. Der Versicherungsnehmer trug die Behandlungskosten in Höhe von circa 24.000 Euro aus eigener Tasche, wollte dieses Geld jedoch von seiner Versicherung erstattet bekommen. Diese jedoch weigerte sich, für den Schaden zu haften, denn bereits Jahre zuvor erlitt die Schwiegermutter einen Herzinfarkt. Hinzu kamen Aspekte wie Herz-Rhythmusstörungen, Diabetes und Bluthochdruck. Von einer unerwarteten Erkrankung der Person konnte ihrer Meinung nach de facto keine Rede sein.

Die Richter waren allerdings anderer Meinung, denn ein Herzinfarkt sei sehr wohl eine akute, unerwartete Erkrankung. Das Urteil lautete also dahingehend, dass ein Herzinfarkt eine abrupte Verschlechterung des Gesundheitszustandes bedeute, und niemand in der Lage sei, sich ohne weiteres hierauf einstellen zu können.

Das Reise-Versicherungsunternehmen sei wiederum sehr wohl zu einer Ablehnung der Kostenübernahme berechtigt gewesen, wenn die beteiligten Personen aufgrund konkreten Wissens schon im Vorfeld Anhaltspunkte für einen drohenden Herzinfarkt gehabt hätten. Dieses war aber in keiner Weise der Fall. Ob sich dieses Urteil auch auf andere Fälle im Zusammenhang mit Reisekrankenversicherungen auswirken wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

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